Globale Gerechtigkeit beginnt dort, wo Ausbeutung von Mensch und Natur endet.

Meine erste Rede im Bundestag

12. Sitzung des Bundestages am 14. Januar 2022 – TOP 2.19 Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – Quelle: Deutscher Bundestag

Sehr geehrte Präsidentin, sehr geehrte Ministerin, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Die Klimakrise macht gnadenlos in vielen Regionen der Erde bereits jeglichen Fortschritt gegen Hunger zunichte, schürt gewalttätige Konflikte, raubt Menschen ihre Existenzgrundlage, zwingt sie zu Flucht.

Wenn das Ziel ist, wenn unser Ziel ist, eine klimagerechte Welt aufzubauen, dann können wir das nur mit dem Wissen und der Perspektive der Menschen, die besonders jetzt schon die grausame Realität der Klimakrise spüren und unter der kolonialen Ausbeutung der letzten Jahrhunderte leiden.

Aktuell fehlen diese Stimmen aber immer da, wo über unser aller Zukunft entschieden wird.

Das merken wir besonders auf den UN-Klimakonferenzen, wenn beispielsweise die Forderung nach ausreichender Finanzierung für Loss & Damage nicht unterstützt wird, nicht angehört wird. Das darf nicht mehr passieren.

Unterstützen müssen wir auch Institutionen wie die Indigene Plattform oder den Gender Action Plan – damit auch in der Klimapolitik auf allen Ebenen Geschlechtergerechtigkeit gelebt wird.

Eine lebendige und eine vielfältige Zivilgesellschaft, Menschenrechtsaktivist*innen, Gesellschaften die bereits Suffizienz leben -, sie sind die Akteur*innen des Wandels für eine globale Klimagerechtigkeit. Und Sie sind unsere Verbündete in den nächsten vier Jahren.

Globale Gerechtigkeit beginnt dort, wo Ausbeutung von Mensch und Natur endet.

Ganz konkret: Wirtschaftliche Zusammenarbeit sollte nicht bedeuten, dass wir Steinkohle importieren aus Regionen, wo die Tagebaue dazu führen, dass Dörfer zwangsumgesiedelt werden, dass Menschenrechte verletzt werden, dass Umweltaktivist*innen tödliche Repressionen drohen. So wie in Sibieren und Kolumbien. Diese Steinkohle hat in Deutschland nichts verloren.

Die Verantwortung für Lieferketten, die koloniale Ausbeutung nicht weiterführen, die Klimagerechtigkeit respektieren, die liegt bei uns. 

Wirtschaftliche Zusammenarbeit darf auch nicht bedeuten, dass deutsche Firmen Technologien liefern, damit beispielsweise in der Nähe der Sunderbans in Bangladesch Kohlekraftwerke gebaut werden, gegen den Willen der dortigen Bevölkerung.

Eine Politik der Zusammenarbeit, die sich primär danach richtet den Bedürfnissen des industriellen Nordens gehorsam zu sein, das ist eine rassistische Politik – der Gegensatz ist eine klimagerechte, die eine lebenswerte Zukunft aller Menschen im Fokus hat – und danach wird sich unsere Politik in den nächsten vier Jahren richten.

Vielen Dank